Eine gefühlte Ewigkeit habe ich mit dem Wechsel von Windows 10/11 zu Linux geliebäugelt, – nur den Mut, diesen dann tatsächlich auch in die Tat umzusetzen, den hatte ich nie. – Bis jetzt!
Seit heute Nachmittag läuft „Linux Bazzite“, ein speziell für Gaming konzipiertes Custom-Build-Image von „Fedora Atomic“, auf meinem Gaming-PC aka Black Dragon v4.0. Für den Anfang erstmal nur als Dual-Boot-Installation neben Windows 11, doch wer weiß, vielleicht überzeugen das OS und seine Möglichkeiten mich ja so sehr, dass ich in Zukunft auf Microslops olle Datensammel-Plattform verzichten kann?
Holy Sh*t, I did it!! 😀
Was ich extrem erstaunlich finde: Die Installation von „Linux Bazzite“ als zweites OS neben Windows 11 war alles in allem recht einfach! Zuerst habe ich mir auf Bazzite.gg das zu meinem System (Desktop, Nvidia GPU) passende ISO-File besorgt, anschließend mit Rufus einen bootfähigen USB-Stick namens „Linux“ erstellt, dann noch im BIOS das Boot-Medium entsprechend auf den just erstellten USB-Stick eingestellt und schon konnte es losgehen. Nett wie ich nun einmal bin, habe ich für „Bazzite“ die zweite im System verbaute NVMe komplett freigeräumt, damit der kleine Pinguin auch ausreichend Raum hat um sich einzurichten. Hier ein guter Guide, in dessen Rahmen der gesamte Installations-Prozess Schritt für Schritt verständlich durchgegangen wird. Anders als im Guide beschrieben, musste ich das „Windows Secure Boot“-Feature für die Installation übrigens nicht temporär deaktivieren; ging auch so vollkommen problemlos. Vom Einstecken des USB-Sticks bis zum ersten Boot ins fertig installierte „Linux Bazzite“-OS hat es vielleicht ungefähr 20 Minuten gedauert.
Meine ersten Eindrücke von „Linux Bazzite“: Auf meinem System (siehe Screenshot oben) läuft das OS extrem performant und super-smooth! Die Optik des UI erinnert out of the Box ein wenig an Windows und ist auch ohne Anpassungen ziemlich stylish anzusehen. Sämtliche im Rechner verbaute Hardware sowie die angeschlossene Peripherie wurde von „Bazzite“ sofort erkannt und korrekt eingerichtet, was selbst Windows nicht immer auf Anhieb hinbekommt. „It just works!“ Ganz wichtig: Es wird absolut keine Bloatware installiert, ausschließlich imho sinnige Apps, die zum „Gaming-Theme“ des OS passen, aber eben auch keine Trial-Version von „Candy Crush“, ein Download-Shortcut für ’ne Facebook-App oder – ganz wild – irgendein effin AI-Assistent! Von den meisten Apps, die ich tagtäglich unter Windows nutze, gibt es glücklicherweise auch eine Linux-Version: Beispielsweise der Online-Store „Steam“ (wo sonst sollte man seine PC-Games bitte kaufen?!), um den herum das gesamte OS aufgebaut ist, „Spotify“ für die Ohren, das superbe Bildbearbeitungsprogramm „GIMP“, „Open RGB“ für die RGB-Beleuchtung des Rechners, und natürlich „Google Chrome“. Jaja, ich weiß, Google bad und so, aber auf „Chrome“ möchte ich auch unter Linux einfach nicht verzichten, – zumindest noch nicht. Wer seine Spiele doch woanders als auch „Steam kauft“: Andere Stores lassen sich über den Umweg via „Heroic“-Launcher nutzen, so unter anderem der „Epic Games Store“, „GoG“, „Itch“ und „Amazon Games“ (was auch immer das ist…).
Installiert werden Apps entweder über das Terminal (was wäre eine Linux-Distro ohne ein Terminal?!) oder über den in „Bazzite“ integrierten App-Store namens „Bazaar“. Diesen kann man nach Herzenslust durchstöbern und wenn man etwas Interessantes gefunden hat, klickt man einfach auf den „Installieren“-Button und schon werden alle notwendigen Komponenten heruntergeladen und installiert, ganz so wie man das von anderen App-Stores gewohnt ist. Das macht „Bazzite“ auch für absolute Linux-N00bs Linux-Einsteiger wie mich auf Anhieb nutzbar ohne gleich vor die erste große Hürde gestellt zu werden. „Bazaar“ ist definitiv die zu präferierende Art und Weise, wie Apps installiert und auch wieder deinstalliert werden, das merkt man ziemlich schnell.
Was ich bis dato noch nicht getestet habe, ist die Performance von „Linux Bazzite“ beim Zocken. Man hört da ja recht gemischtes Feedback: Während Games, für die eine native Linux-Version existiert, im direkten Vergleich mit Windows oft besser abschneiden – was logisch ist, immerhin sind sie auf Linux hin optimiert -, soll es bei nicht nativ supporteten Titeln schon ziemlich krass anders aussehen und die FPS unter dem Niveau der mit Windows erzielten liegen – nicht selten sogar recht deutlich, was für mich auf Dauer schon ein ziemlicher Dealbreaker wäre. Auf der Seite ProtonDB.com kann man sich informieren, ob ein bestimmtes Spiel unter Linux überhaupt gezockt werden kann, ob es nativ unterstützt wird, es nur mit Hilfe von Kompatibilitätsschichten wie Wine oder Proton sowie einigen Anpassungen zum Laufen zu bekommen ist, oder halt überhaupt nicht läuft. – Ist wirklich beeindruckend und interessant, was da inzwischen so geht!
Will man nicht jedes seiner Spiele einzeln nachschlagen, kann man es sich auch ein wenig einfacher machen – und zwar wie folgt: Man legt in „Steam“ in der „Library“-Ansicht eine neue „Dynamic Collection“ an (siehe Screenshot oben), nennt diese etwa „Linux Ready“, und wählt bei den Filter-Einstellungen unter dem Punkt „Hardware Support“ die Option „Verified“ oder „Verified and Playable“ aus. Die erstgenannte Option listet ausschließlich Spiele auf, die auf jeden Fall unter Linux laufen – da für Steam Deck freigegeben -, viele von ihnen sogar nativ, die zweite Option nimmt zusätzlich noch Spiele mit rein, die grundsätzlich laufen, allerdings muss vorher hier und da an ein paar Stellschrauben gedreht und feinjustiert werden.
Die allermeisten Spiele, die mit einem Anti-Cheat gesichert sind – insbesondere solche neueren Datums -, können in der Regel unter Linux nicht gezockt werden; zumindest nicht ohne immensen Aufwand, den sich niemand freiwillig antut. Nope, keine Chance! Aber man ist offenbar dran, auch dieses Problem zu lösen.
Für den kommenden Monat habe ich mir, als so eine Art persönliche Frühjahrs-Challenge, vorgenommen, komplett, bzw. so gut es nur irgendwie geht auf Windows als Arbeits- und Gaming-Umgebung zu verzichten und stattdessen beim Hochfahren des PCs stets direkt in „Bazzite“ zu booten. Bin gespannt, wie das so laufen wird – und ob ich es wirklich bis zum Ende des Monats durchhalte…
Fest steht: Ich werde hier im Blog ausführlich berichten, unter #emmlb, wie mein Ausflug in die eisigen Linux-Gefilde so verläuft. 😉
P.S: Kudos gehen raus an die Linux-Community auf Mastodon, ohne deren Tipps, Tricks und Hilfestellungen ich die fehlenden Quäntchen Motivation für dieses Experiment wohl nicht so schnell aufgebracht hätte. Außerdem sei auf die wirklich wahnsinnig informativen und super erklärten Bazzite Guides von Mike’s Tech Tipps hingewiesen, die mir ebenfalls sehr geholfen haben.


